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FLORA & FAUNA

 

Taublatt

Ginsterkatze

Ichneumon

NATUR in Cádiz

Natur wird bekanntermassen massgeblich durch das Klima bestimmt. Klima haben wir viel, hier in Cádiz. Klima unterschiedlichster Art. Vor allem aber, unterliegen weite Gebiete der Provinz von Cádiz dem makaronesischen Klima.

 

Für die meisten Leser stellt sich hier jetzt eine Frage:  Wo bitte liegt Makaronesien? Ist man doch eher geneigt, diesen Namen der Südsee zuzuordnen. Mikro-, Makro-, Poli -(nesien); klein, gross und viel auf Griechisch. "Nisi" bedeutet Insel. Nun sind wir dem Geheimnis schon ein Stück näher.  "Makaro" bedeutet "gesegnet" oder glückselig.

Also die glückseligen Inseln mit einem gesegneten Klima. Gemeint sind die Kanaren, Azoren, Madeira und die Kapverden, aber eben auch ein Teil des spanischen Festlandes. 

 

Und tatsächlich kann man das Klima in Cádiz mit dem auf den Kanaren, vor allem Teneriffa, La Gomera und La Palma, vergleichen. Das ist der besonderen Geografie geschuldet: Hohe Berge von Wasser umgeben. Und genau diese Situation haben wir hier an der südlichsten Spitze des europäischen Kontinents. Zum Teil, steil aufragende Berge, die gleich von zwei Meeren umspült werden. Und natürlich sehr warme Temperaturen. 

So kommt es, dass sich an den Süd- und Westflanken der Berge, Galeriewälder mit Lorbeer, Rhododendren und Erdberbäumen finden und sogar ein Nebelwald. Dass sich hier der letzte mediterrane Urwald befindet, und der Untergrund der Korkeichenwälder teils mit üppigem Farn und Callas bewachsen ist, sind nur zwei von unzähligen botanischen Highlights. Dazu kommt ein ganzes Kaleidoskop von Orchideen. Und in unmittelbarer Nachbarschaft dazu, finden sich fast alpin anmutende Heidelandschaften die im krassen Gegensatz zu den üppigen Wäldern zu stehen scheinen. Und dann fällt dem aufmerksamen Besucher noch etwas ins Auge. In Küstennähe meist an windgeschützten Stellen wachsen sogar Drachenbäume, die man eigentlich von den Kanaren kennt.

Im Landesinneren, da wo die frische Meeresbrise nicht mehr ankommt, findet sich ein ganz anderes Bild. Scheinbar karge Böden auf ausgedehnten Ebenen sind das, was man in Spanien - vor allem im Süden - am meisten erwartet. Kommt man allerdings nicht im Hochsommer sondern im milden sonnigen Januar in die Provinz, kommt so mancher aus dem Staunen nicht raus. Dann sieht es hier aus wie in Nord-Irland, mit endlos grünen Wiesen, die grüner nicht sein könnten. Schon zu Weihnachten sind diese reichlich mit Narzissen bestückt.

Redaktion Heike Mai

 
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Wanderdüne von Bolonia
Naturmonument

Der spanische Name:      Monumento Natural

                                            Duna de Bolonia

geschützt seit:                    2001

Teil des interkontinentalen Biosphärenreservats

des Mittelmeers (2006 UNESCO)

Gemeinde: Tarifa

Zusammen mit der Düne handelt es sich hier um einen der schönsten Strände Europas. Eine alte Römerstadt und schöne Küstenwander-wege Richtung Norden und Richtung Süden, die auch noch auf die Römer zurückgehen, bilden einen interessanten Rahmen.

Die Düne von Bolonia ist eine Wanderdüne. Davon gibt es in Andalusien nicht allzuviele und es ist schon beindruckend, dort oben zu stehen und zu wissen, dass man gut 30 Meter Sand unter seinen Füssen hat. Naja, und die ein oder andere Baumleiche und vielleicht auch noch eine römische Villa oder eine andere Hinterlassenschaft der Römer. Denn direkt ihr zu Fusse liegt die römische Siedlung Baelo Claudia. Ein einst florierender Hafen, in dem es eine äusserst profitable Fischindustrie gab, eine ertragreiche Landwirtschaft und Handelsverbindungen in den gesamten Mittelmeerraum. Aber wie gesagt, das ist knapp 2000 Jahre her.

 

Heute sind Teile der Siedlung: das Theater, vier Tempel, das Forum, mehrere Villen, Fischindustrie-anlagen am Hafen, die Thermen und sogar ein Schwimmbad wieder ausgegraben und bieten einen spannenden Einblick in eine bewegte Geschichte. Der Hafen selbst ist allerdings nicht wieder aufgetaucht. Die Archäologen gehen davon aus, dass er aus Holz war.

 

Der Blick von der Düne über den Strand ist atemberaubend. Doch was macht diesen Strand so besonders? Zum einen liegt er trotz seiner Grösse sehr geschützt. Das Gewässer davor unterliegt kaum Strömungen, und das türkisfarbene Wasser ist kristallklar. Er hat eine schöne langgezogene Halbmondform; 70 Meter breit und fast vier Kilometer lang. Karibikfeeling! Richtung Süden ist der Blick nach Tanger frei, nordwestlich wird er von der malerischen Wanderdüne und dem grünen Dach der Schirmpinien begrenzt, und die römische Siedlung liegt direkt an der Küste. Von der Düne aus gesehen am anderen Ende liegt der kleine Weiler von Bolonia mit einigen Restaurants und Strandbars.

 

Fast das gesamte Jahr hindurch ein idyllischer Flecken, der im Juli und August dann doch einen ziemlichen Betrieb aufweist. Es ist nun mal einer der schönsten Strände Spaniens. Im Mai, Juni und ab Mitte September teilt man ihn sich allerdings hauptsächlich mit den Kühen die von den nahen Feldern gerne zur Entspannung auf den Strand kommen.                             

Redaktion Heike Mai

 
Meeresenge von Gibraltar mit Afrika im Hintergrund
Meeresenge von Gibraltar
Grenze zwischen zwei Welten
Naturpark  -  über 18.900 Ha

Der spanische Name:      PN del Estrecho

gegründet:                         2003

Teil des interkontinentalen Biosphärenreservats

des Mittelmeers (2006 UNESCO)

Fauna-Flora-Habitat-Schutz-Gebiet

Europäisches Vogelschutzgebiet

Netzwerk Natura 2000

Gemeinden: Tarifa, Algeciras

Im Groben gibt es im Naturpark 4 Pflanzengemein-schaften durch die herrliche Wanderwege führen. Östlich auf den Gipfeln lichter Korkeichenwald.  Im Westen durch hohe Luftfeuchtigkeit bedingt - dichte Korkeichenwälder mit portugiesischen Eichen und Galeriewäldern mit Endemismen, wie dem Rhodo-dendron. Im westlichen Binnengebiet befinden sich wilde Oliven. Der Küstenabschnitt im Süden hat eine typische Küstendünen-Pflanzengemeinschaft von denen die repräsentativsten Arten Stranddiestel und  Wacholder sind. Unter Wasser übrigens, befinden sich Kolonien der gefährdeten roten Koralle.

Mehr noch vielleicht als eine Grenze, ist sie eine Verbindung. Diese auf der Welt wohl einzigartige Region verfügt über ein außergewöhnliches Naturerbe mit beispiellosen geologischen Küstenformationen, gemässigten Regenwäldern - Relikten aus dem Tertiär, Klippen und Kieselstränden, riesigen Dünen, unbegradigten natürlichen Flussmündungen und Küstenlagunen an feinsandigen Stränden.

 

An der Küstenregion zu Land und unter Wasser versteckt sich ein ganzes Universum an Artenvielfalt. Das Geheimnis? Hier am südlichsten Punkt des europäischen Kontinents kommt wirklich alles zusammen: zwei Meere, drei marine Becken, zwei Kontinente, drei tektonische Platten... noch dazu zwei Winde, die ab und zu die Nebelschwaden in die engen Schluchten pressen und dort auf diese Weise ein ganz spezielles Mikroklima erzeugen.

 

Seit Jahrtausenden ist die Meerenge von Gibraltar eine Route für Kaufleute, Eroberer und Siedler die sowohl über das Meer als auch auf dem Landweg kamen und hier ihre Spuren hinterlassen haben. Aber auch die Natur hat über die Meerenge Wege gesucht neue Ufer zu erobern. Und in vielen Fällen haben Einwanderer aus Flora und Fauna hier optimale Bedingungen für eine dauerhafte Bleibe vorgefunden. Deren Vielfältig-keit an der Meerenge versetzt die Wissenschaft immer wieder in Erstaunen. Denn auch heutzutage werden noch neue Arten entdeckt.

 

Ihre Artenvielfalt steht keinesfalls im Widerspruch zu ihrer Nutzung. Sie ist vielmehr eine großartige Gelegen-heit, neue Wege wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Entwicklung zu ermöglichen. So werden heute natürlich keine Wale mehr bejagt, aber sie werden beobachtet, und so hat ein ganz neuer Wirtschafts-zweig die Meeresenge erobert: "Whale Watching". Das überaus reichhaltige Nahrungsangebot in der Strasse sorgt dafür, dass man das ganze Jahr über Grindwale, gemeine Delphine, Streifendelphine, Tümmler und Orkas beobachten kann. Aber auch Passanten wie Pottwal und Finnwal kommen vorbei. Manchmal dümpelt ein Mondfisch an der Wasseroberfläche und sonnt sich und ab und zu fliegt ein Fisch auf Augenhöhe vorbei. Auch der Meeresboden vor der Insel von Tarifa mit seiner marinen Artenvielfalt hat ein grosses Potenzial für Unterwasseraktivitäten. Und schon seit dem 19. Jahrhundert sind die Vogelzüge über die Meeresenge von grosser touristischer  Bedeutung. Sage und Schreibe 109 Vogelarten ziehen hier durch. Sogar Libellen und Schmetterlinge haben hier eine wichtige Migrationsroute und ziehen alljährlich staunende Gäste an.

 

Nicht weit entfernt von der Küste, in den nebelfeuchten Schluchten, kann man im Herbst die Brunft der Rehe belauschen oder aber auch an den abenteuerlichen Felsformationen klettern und bouldern üben und im Hintergrund – zum Greifen nah – Afrika, das sich manchmal geheimnisvoll hinter einem Schleier aus den Wassern zweier Meere verbirgt.

In der Straße von Gibraltar ist Kontroll- und Regulierungspunkt für den Wasseraustausch zwischen dem Mittelmeer und dem Atlantik. Als Konsequenz finden hier hochenergetische Prozesse statt, die nicht nur das Mittelmeerklima als auch im Weltklima massgeblich beeinflussen. Eine der Regionen der Welt, die von allerhöchsten Interesse für die Wissenschaft sind. Ein Eldorado für Ozeanografen, Klimaforscher, Geologen und Biologen.

Der Austausch über die Straße von Gibraltar ist durch eine doppelte Strömung gekennzeichnet, mit dem Eintritt von süßerem und wärmerem Oberflächenwasser vom Atlantik in das Mittelmeer und dem Austritt von mehr salzhaltigem und kälterem tiefem Wasser vom Mittelmeer in den Atlantik. Die dabei erzeugten Strömungen sind gigantisch. Hier werden mehr als 1.000.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde bewegt. Das ruft einzigartige physikalische Phänomene im Ozean hervor.

 

Diese einzigartigen physikalischen Prozesse und die sich daraus ergebenden biochemischen Prozesse haben einen entscheidenden Einfluss auf die Struktur und Dynamik der biologischen Netzwerke der Meere, die sie verbinden. So ist die Straße von Gibraltar quasi ein Labor wo die Wissenschaft den Zusammenhang zwischen physikalischen Prozessen und biologischen Reaktionen sowie die Rolle des Ozeans im Wandel untersucht und versucht zu verstehen. Die Meeresökosysteme der Meerenge gelten als die reichsten an der spanischen Küste. Hier wurden mehr als 1.900 Arten aus Flora und Fauna identifiziert, darunter viele Endemismen und seltene Arten; auch solche, die in anderen Gebieten von der Ausrottung bedroht sind.

 

So ist dieser Naturpark für sportbegeisterte Besucher und Wissenschaftler gleichermassen eine extrem spannende Region.  Man kann das Ganze allerdings auch poetisch betrachten:

 

Naturpark Estrecho de Gibraltar – Gleichgewicht zwischen Land und Wasser, Atlantik und Mittelmeer, Levante und Poniente - den beiden Winden die hier durchfegen – Gleichgewicht zwischen Fortbestand und Entwicklung, und zwischen Tradition und Innovation.         

 Redaktion Heike Mai

 
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Taublatt
(Drosophyllum lusitanicum)

Eine der merkwürdigsten Pflanzen der Erde

 

Das Taublatt ist beheimatet an den westlichen Küsten Portugals, Spaniens (nur in Andalusien) und um Tanger herum. Es findet sich auf einer Höhe bis zu 800 Metern und es liebt Sonne - viel Sonne und extrem trockene Fels-, Kies- und Sandböden.

 

Und genau das ist das Merkwürdige an diesem Pflänzchen. Es ist eine fleischfressende Pflanze, und allein das macht sie schon besonders. Aber fleischfressende Pflanzen brauchen bekanntermassen viel Wasser - also einen feuchten Boden – um die Fangdrüsen und die Verdauungsdrüsen funktionsfähig zu halten. Man vermutet, dass das Taublatt zur Deckung seines Wasserbedarfs genau diese Drüsen einsetzt, um Wasser aus dem Küstennebel zu ziehen.

 

Und dann hat es noch eine Besonderheit: Seine Blätter rollt es nach aussen auf, nicht wie bei solchen Pflanzen üblich nach innen. Leider unterliegt es einem starken Siedlungsdruck und ist durch Aufforstungsmassnahmen, Viehzucht und auch durch Stassenbau sehr in Bedrängnis geraten. Dort, wo der menschliche Einfluss am geringsten ist, findet man es noch. Leider sind mittlerweile über 80% seines Bestandes vernichtet, und dieser einzige Vertreter seiner Art ist zunehmend bedroht. In Cádiz haben hat es sich noch an vielen Plätzen erhalten. Die ausgebildeten Führer kennen diese verborgenen Standorte.

 
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Bucht von Cádiz  -  Labyrinth aus Prielen und Salzwasserbecken
Naturpark  -  über 10.500 Ha

Der spanische Name:      PN Bahía de Cádiz

gegründet:                         1989

Fauna-Flora-Habitat-Schutz-Gebiet

Europäisches Vogelschutzgebiet

Netzwerk Natura 2000

Gemeinden:

San Fernando, Cádiz, Puerto Real, El Puerto de Santa María, Chiclana de la Frontera

Eine flache Landschaft. Auf den ersten Blick kann das langweilig wirken, aber die Bucht von Cádiz hat es in sich. Ihr Potenzial wird schon seit Jahrtausenden ausgeschöpft. So wechseln hier nicht nur Ebbe und Flut das Erscheinungsbild, sondern es wechseln sich auch Natur-spektakel mit archäologischen Einblicken ab.

Erst aus der Luft offenbart sich der Reichtum dieser Region. 

Fast die Hälfte der Bevölkerung der Provinz ist im Bereich der Bucht von Cádiz angesiedelt. Und doch bietet sie Platz für einen Naturpark, der – wie keine andere Region der Provinz – vom Wechsel der Gezeiten geprägt ist und dadurch so viele unterschiedliche Biotope hervorgebracht hat, dass die Bucht an Artenreichtum wohl kaum zu übertreffen ist.

 

Eine Nehrung mit einer Dünen-Landschaft ähnlich der auf Sylt, idyllische Strände, Salzwiesen, Marschland, Sumpfgebiete, Schwemmland, Landzungen, Meeresarme, Salzgärten und Pinienwälder wechseln sich ab - rund um das Archipel das aus vielen Inseln besteht. Ein Mosaik aus Natur und Kulturlandschaften und Heimat für über 200 Vogelarten, 60 Fische und 80 verschiedene Krebs- und Weichtiere.

 

Für Naturfreunde und Wassersportbegeissterte ein Paradies, das das ganze Jahr hindurch Mög-lichkeiten bietet für ein ganzes Kaleidoskop von Aktivitäten. Mit dem Kayak das Labyrinth der vielen kleinen Kanäle zu erforschen und dabei an den Kolonien der Löffelreiher und Flamingos vorbeizukommen ist ein Abenteuer. Die Salzgärten mit den blendend weissen Pyramiden lassen die Herzen aller Hobbyfotografen höher schlagen. Beim Fang der Doraden zuzuschauen, die in den kleinen Salzwasserbecken besonders schmackhaft gedeihen und diese dann gleich vor Ort auf einem Bett aus Algen zu grillen ist ein absolutes kulinarisches Highlight. Eine Nachtwander-ung im Pinienwald bei Mondschein, um dem vom Aussterben bedrohten Chamäleon auf die Spur zu kommen, ist nicht nur für Romantiker verlockend. Und wo lässt es sich besser chillen als auf einem Bötchen im stillen Wasser der Bucht ohne Angst, von der Strömung auf’s offene Meer gezogen zu werden? Allein die Hauptsstadt Cádiz hat 7 Marinas.

Die enorme Bucht war schon immer ein begehrter Hafen. So ist sie heute Heimat des Segelschulschiffes Juan Sebastian Elcano. Doch auch unter Wasser verbirgt sich so manche Überraschung. Immer wieder tauchen gesunkene phönizische und römische Wracks samt Ladung auf. 

Natürlich bietet sich dieses flache Terrain bestens für Ausflüge mit dem Rad an. Das ist vielleicht der einfachste Weg, die weitläufigen Gebiete zu erkunden und dabei den Kolonien der Löffelreiher und Flamingos näher zu kommen, die Fischadler bei ihrem majestätischen Flug oder die Kormorane beim Trocknen zu beobachten.

Redaktion Heike Mai

 
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La Breña y Marismas de Barbate
Mehr Meer und ein Meer aus Pinien
Naturpark  -    5.077 Ha

gegründet:                                1989

Gemeinden: Barbate, Vejer de la Frontera

Ein Pinienwald – der grösste von Cádiz - noch gar nicht so lange hier und schon geschützt. Erst im 19. Jahrhundert wurde er angelegt um die grossen Sanddünen zu stabilisieren und sie daran zu hindern, in die Siedlungen vorzudringen. Fotogen trappiert auf den Steilklippen zwischen Barbate und los Caños de Meca, ist dieser Pinienwald eine Kulturlandschaft, die ihre Besucher in den Bann zieht. Nicht nur wegen des fantastischen Ausblickes aus hundert Metern Höhe, sondern auch mit den Düften hunderter verschiedener Kräuter, Blumen und Strandkiefern. Eine Augenweide und ein Dufterlebnis. Vier weitere wichtige Ökosysteme gehören zum Park.

Dieser kleine Naturpark hat es in sich. Breña bedeutet eigentlich zerklüftetes von Gestrüpp bewachsenes Land. Mehr oder weniger war es das auch: Dünen, Disteln und Gestrüpp auf Felsen – landwirtschaftlich nicht nutzbar. Solange bis die Schirmpinien angepflanzt wurden die noch heute jedes Jahr beerntet werden. Damit sich die Pinien und somit die Pinienkerne gut entwickeln, müssen die Bäume und auch deren Umgebung gepflegt werden. Die Baumkronen werden regelmässig ausgedünnt und das Gestrüpp - bestehend aus Rosmarin, Schopflavendel, Thymian, Spargel, Weinraute, Ginster, Mäusedorn, Stechwinde, Stecheiche und Zistrosen – muss im Zaum gehalten werden. Ausserdem gibt es breite sandige Brandschneisen um eventuellen Wandbränden die Chance auf Ausbreitung zu nehmen. Diese „Reste“ der Dünen stellen zusammen mit dem Strand das zweite Ökosystem dar. Idealste Bedingungen für ein gemütliches Wandern und ausgedehnte Ausritte mit dem Pferd. Dringt man ein wenig tiefer in den Pinienwald vor, wird sich nicht nur eine Überraschung auftun. Pilze – Steinpilze, Tintlinge, Edelreizger, Parasole ...  in Hülle und Fülle (falls es geregnet hat), aber viel erstaunlicher: ein Arboretum. Plötzlich steht man mitten in Australien! Das Arboretum mit ursprünglich 17 verschiedenen Eukalyptus-Sorten wurde angelegt um auszutesten welche Sorte sich hier am wohlsten fühlt. Heute werden diese nicht einheimischen Bäume aus allen Naturschutzgebieten wieder entfernt. Nicht nur wegen der erhöhten Waldbrandgefahr.

Allein schon mit dem Pinienwald ist ein vielschichtiger Lebensraum entstanden, der mit Hife des Menschen Platz für ein ganzes Meer an wilden Blumen und Kräutern bietet und Heimat für viele Singvögel und Reptilien geworden ist. Doch dies ist nur ein Teil dieses beliebten Naturparks. Es gibt auch archäologische Highlights wie z.B. den grössten Taubenschlag der Welt aus dem 18. Jahrhundert der Platz für 15.000 Tauben bot und heute Übernachtungsmöglichkeiten für menschliche Besucher.

 

Von einem weiteren Teil nimmt man als Spaziergänger nur die Oberfläche war. Das Meer und dritte Öko-system. Spaziert man auf spektakulären Steilklippen mit Blick nach Afrika, kann man nur schwer erahnen, welcher Reichtum sich auf dem zerklüfteten Meeresgrund gleich davor verbirgt. Bis zu einer Meile reicht das Schutzgebiet auf das offene Meer hinaus.

 

Große Steinblöcke lösen sich von der steilen Felswand und fallen ins Meer, wo sie im Laufe der Zeit durch die Wellen aufgelöst werden. Viele Steinen und ein sandiger Meeresboden bieten einen reichen Lebensraum mit reichlich Verstecken und einer Fülle von Algen, Weichtieren und aller Arten von Fischen. Dieses Gebiet ist auch ein wichtiger Migrationskanal für Muscheln und Schnecken. Fischen und die Jagd mit Harpune sind strengstens verboten und so können Wolfsbarsche, Seezungen, Doraden und viele andere in diesem kleinen Paradies ungestört gross werden. Schnorcheln am wunderschönen Strand von Hierbabuena lohnt sich hier unbedingt. Aber der Strand ist auch ein Geheimtipp für Wellenreiter.

 

Aus der Steilwand, die übrigens ein ganz eigenes Ökosystem darstellt – das vierte, kommen beständig kleine Rinnsale von Regenwasser heraus, das langsam durch das Kalk und Sandgestein fliesst. Mit Mineralien angereichertes Regenwasser trifft auf Salzwasser - genau das sind hervorragende Bedingungen für ein ausserordendliches Wachstum von Plankton. Schon die Römer machten sich dies zu Nutzen, als sie hier Zuchtbecken für Fische und Molusken anlegten. Doch nicht nur das ist aussergewöhnlich. An den Felsüberhängen und Spalten haben sich kleine Mikrostalagtiten herausgebildet und das ganz ohne Höhle und nur wenige Meter über dem Meeresspiegel. Ein echtes Highlight für Geologen.

 

Schliesslich gibt es noch einen fünften Teil. Ein komplett anderes Ökosystem. Die Salzwiesen und das Marschland entlang des Flusses Barbate der am gleichnamigen Städtchen am Ende der Steilküste ein grosses Delta entwickelt hat. En El Dorado für Fischadler und Ornithologen. Aber auch für viele Fische, die diese Region mit Brack und Süsswasser als eine Fortsetzung des Meeres betrachten und in den seichten stillen Gewässern ableichen. Hier ist ihre Brut sicher vor Raubfischen. Fast wäre dieses lebensnotwendige Ökosystem verloren gewesen. In den 60ern begannen die Landwirte die Marschen trocken. zu legen Zum Glück ist der Boden zu salzhaltig für Landwirtschaft, und so konnten weite Teile in das Schutzgebiet eingegliedert werden.

Redaktion Heike Mai

 
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Doñana (Cádiz)
Naturpark  -  über 3.400 Ha in der Provinz Cádiz

Gegründet:      1989

Gemeinde: Sanlucar de Barrameda

 

Wirklich bekannt ist der 1969 gegründete Nationalpark. Dass es einen Schutzgürtel gibt, der 20 Jahre später geschaffen wurde und sich durch 3 Provinzen zieht, ist den wenigsten bekannt. Dabei ist dieses Schutzgebiet grösser als der Nationalpark selbst. Nur ein kleiner Teil davon allerdings liegt in Cádiz. Der Fluss Guadalquivir bildet die Grenze zur Provinz von Huelva. Von seiner Mündung bei Sanlucar bis in die 75 Kilometer entfernte Hauptstadt Andalusiens - Sevilla - gibt es keine Brücke. Mit der Fähre kommt man über den Fluss, aber sein Auto darf man dabei nicht mitnehmen. Nur die Ranger dürfen das, denn hier herrschen strengste Schutzmassnahmen.

Hier im Mündungsgebiet des Guadalquivir, gibt es Sümpfe, Salzwiesen, Lagunen, Salinen, Pinienwälder, Fischfarmen und Weinberge. Durch das Zusammenspiel all dieser verschiedenen Ökosysteme und Kulturräume entstehen ideale Bedingungen für Lebensräume für Vögel unzähliger Arten. Als Brutgebiet, als Rast und Futterplatz während der Züge zwischen Europa und Afrika und als Zielgebiet zum Überwintern. De Coto de Doñana bildet sozusagen die Brücke zwischen zwei Kontinenten, ohne die viele Vogelarten den Zug nicht überleben würden.

Für Vögel und für Vogelliebhaber gleichermassen ist der Naturpark Doñana Cadiz zweifellos einer der beliebtesten Orte in Andalusien. Im Laufe des Jahres kann man hier über 300 verschiedene Vogelarten beobachten. Darunter Zwergseeschwalben, Weißkopf-Ruderenten, Marmelenten, Dünnschnabelmöwen, Fischadler, Flamingos, Löffelreiher,  Brillengrasmücken, Kurzehenlerchen und Stummellerchen und viele andere mehr.

Der Pinienwald Algaida und das Marschland von Bonanza liegen südöstlich des Nationalparks am linken Ufer des Flusses Guadalquivir und nördlich von Sanlúcar de Barrameda. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der große Kiefernwald angelegt. Hier lebt eine große Kolonie Schwarzer Milane. Das Gebiet erschliesst sich dem Spaziergänger einfach, und es gibt einige Beobachtungsstationen. Allerdings sollte man sich durchaus mit reichlich Citronella-Öl bewaffnen. Der Wald liegt am Rande eines Feuchtgebietes den idealen Lebensraum für Moskitos. Das Sumpfgebiet und das Marschland von Bonanza.

 

Wirklich empfehlenswert ist ein Ausflug mit der Fähre in die Nachbarprovinz. Geführte Ausflüge werden von Sanlucar de Barrameda aus organisiert und bieten einen fantastischen Einblick in ein einzigartiges Dünensystem. Am Strand darf man sogar alleine spazieren gehen – bis in den nächsten Ort am nördlichen Rand des Nationalparks sind es knapp 30 Kilometer. Ohne Ranger darf man allerdings nicht über die Dünen klettern; zum Schutz der heimischen Flora und Fauna. So hat man den Strand fast für sich alleine, wenn man mal von den unzähligen Möven, Austerfischern und Strandläufern, ein paar Wildschweinen, Hirschen die sich in den Wellen vergnügen – ach ja und einigen offiziell zugelassenen Muschelfischern, absieht.

Redaktion Heike Mai

 
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Tombolo Trafalgar
Natur-Monument  
 

geschützt seit: 2001

Gemeinde: Barbate

 

Trafalgar ist ein Naturdenkmal das aus einem Doppel-Tombolo und dem Kap Trafalgar selbst besteht. Im Grunde eine Insel, ist das Kap durch ein bzw. zwei Dünensystemen mit dem Festland verbunden. So ist eine einzigartige Landschaft entstanden, die nicht nur wegen ihres berühmten Namens ein Magnet für Natur- und Sportbegeisterte ist. Darüber hinaus stolpert der Besucher förmlich über die Geschichte. Einen Leuchtturm und archäologische Reste bis hin in die Römerzeit gibt es hier zu entdecken. Heiss geliebt allerdings ist dieses sandige Plätzchen wegen seines chilligen Ambientes. Urige Beachbars und reichlich Möglichkeiten für Kitesurfer tragen dazu bei.

Trafalgar? Ja, da gibt es diesen berühmten Platz in London, benannt nach einer - für die Briten sehr erfolgreichen – Seeschlacht. Und die fand genau hier statt. 1805 zerlegten die Briten vor dem Kap von Trafalgar die spanische und die französische Flotte. Dabei fanden 5000 Marine-Soldaten einen tragischen Tod. Auch Lord Nelson der Oberbefehlshaber über die britische Flotte. Ihm gab man allerdings keine Seebestattung, sondern man steckte ihn in ein Brandyfass und verschiffte dieses nach London. Aber zurück  zum Ursprung.

 

Die Landzunge von Trafalgar ragt ins Meer hinaus und formt eine schöne Landschaft aus Dünen mit feinem Sand, weiten Stränden mit warmen Sonnenuntergängen und einem felsigen Gebiet, auf dem sich stolz sein Leuchtturm erhebt und spektakuläre Panoramablicke bietet.. Der oben erwähnte Tombolo ist lt. Definition ein Dünenstreifen, der eine Insel mit dem Festland verbindet und sie so zu einer Halbinsel macht. Diese Verbindung entstand hier am Kap vor etwa 6.500 Jahren. Es ist das einzige Beispiel in Andalusien mit einer doppelten Landzunge.

 

Dazwischen ist eine Niederung einschlossen, in der sich Regenwasser ansammelt. Dort wachsen Rohrkolben, die verschiedenen Vögeln als Lebensraum dienen, unter anderem Korallenmöwen, Bruchwasserläufern, Brandseeschwalben, Raubseeschwalben, Pfuhlschnepfen und Seidenreihern. Auf dem Sand bilden Goldlack, Dünen-Trichternarzissen und Stranddisteln eine farbige Blumendecke. Im Schutz von Strandhafer und Süßgräsern, gedeiht die Strand-Wolfsmilch. Und das Kap selbst ist mit Strandnelken übersät. An den Stränden leben die Purpurschnecke, die Strandkrabbe und der Kammseestern. Hier kann man wunderbar wandern, Vögel beobachten , kitesurfen, windsurfen oder eben auch einfach nur chillen.

                                                                                                                                                                      Redaktion Heike Mai

 
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Corrales von Rota
Natur-Monument   -   110 Ha

geschützt seit 2001

Gemeinde:   Rota

 

Die Corrales, eine geniale Erfindung aus urtümlichen Zeiten.  Es handelt sich um riesige Becken, die dem Meer in mühsamer Kleinarbeit durch Aufschichtung von Steinen abgerungen wurden. Dabei müssen diese schier endlosen Steinwälle enormen Kräften widerstehen und nicht nur die heftige Strömung der Gezeiten, sondern auch Sturmfluten aushalten.

Bei Flut sind sie fast nicht zu erkennen, dann schwimmen die Fische über diese Wälle in die Becken hinein. Wenn das Wasser wieder abfliesst, finden sie keinen Ausgang mehr und bleiben in den Becken gefangen, von wo aus die Fischer sie bei Ebbe mühelos herausfischen können.

Wer errinnert sich nicht gerne zurück an die Urlaube am Meer in der Kindheit? Als man mit Eimer und Netz bewaffnet bei Ebbe an den Pfützen auf den ersten Krebs gelauert hat, der sich unter den Steinen hervor traute. Die Corrales sind genau das, aber in XXXL. Das erste in Andalusien deklarierte Naturdenkmal mit insgesamt acht Corrales, ist genau betracht eigentlich gar kein Naturdenkmal. Diese dem Meer abgerungenen Parzellen sind Menschenwerk und mindestens schon seit der Römerzeit in Nutzung. So ist dieses Naturdenkmal gleichzeitig ein bedeutendes kulturelles und archäologisches Erbe.

 

Nicht nur Fische, Tintenfische und Oktopusse werden hier bei Ebbe festgehalten.  Innerhalb der Steinwälle, die aus Muschelkalksandstein erbaut wurden, halten sich auch Seeigel, Garnelen und Krabben sowie Austern und Seepocken, auf die hier quasi einfach abgeerntet werden können. Es gibt eine Vielzahl an Algen, Seegraswiesen, Fischen, Würmern, Muscheln....  Auch Brassen und Aale, die typisch für tiefere Lebensräume sind, fressen hier und laichen sogar gelegentlich. All dieser Reichtum lockt natürlich auch allerhand See- und Wattvögel an die hier fast wie im Schlaraffenland leben.

Der Artenreichtum in diesen Becken ist immens. 97 verschiedene Weichtiere bzw. Molusken werden hier gezählt. Dazu kommen 15 verschiedene Fischarten,  7 Krebstierarten, 13 verschiedene Algen und 5 Stachelhäuter – also Seesterne und Seeigel.

Um zu diesem kleinen Paradies zu gelangen, muss man sich übrigens auf den Holzweg begeben. Auf diesem gelangt man nach einem kurzen Spaziergang durch den der Küste vorgelagerten Pinienwald an den Strand und an die Corrales. Man kann daraus aber auch einen schönen Spaziergang machen. Der Pinienwald und der Holzweg ziehen sich nämlich ca. 4,5 km parallel zur Küste entlang. Und wer weiss, vielleicht trifft man dabei ja auch auf eines der vielen Chameleons.

                                                                                                                                                           Redaktion Heike Mai

 
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Los Alcornocales 
Die Korkeichenwälder
Naturpark  -  über 173.000 Ha

gegründet:                         1989

Internationales Mittelmeer-Bioshpärenreservat

Gemeinden in Cádiz:

Alcalá de los Gazules, Algar, Algeciras, Arcos de la Frontera, Benalup-Casas Viejas,  Benaocaz,  Castellar de la Frontera, El Bosque, Jerez de la Frontera, Jimena de la Frontera, Los  Barrios,  Medina Sidonia, Prado del Rey, San José del Valle, San Roque, Tarifa, Ubrique

Der letzte mediterrane Urwald Europas, der grösste Korkeichenwald der Welt...  Die Superlative, die dieser immense Naturpark umschliesst, sind zahlreich und beschreiben doch nur unzureichend den enormen Reichtum, den seine unzähligen Ökosysteme zu bieten haben.

Südwestiberischer mediterraner Hartlaub- und Mischwald, so die offizielle – und sehr nüchterne - Bezeichnung der Wälder, die sich von Südportugal bis in den Südwesten Spaniens ziehen. Diese Region hat ein mittelmeerähnliches Klima, das durch den Einfluss des Atlantiks abgemildert wird. Hier sind die Sommertemperaturen etwas niedriger und im Winter gibt es unter 1500 Metern nur sehr selten Frost. 

 

Zusätzlich unterliegt Cádiz dem makaronesischen Klima. Die Lage zwischen zwei Meeren sorgt dafür, dass sommers wie winters zusätzlich reichlich feuchte Luft über das Land an die Flanken der Sierra de Cádiz getrieben wird und besonders in den Schluchten hängen bleibt. So gibt es rund um die Spitzen des Gebirges reichlich Niederschlag, und das wiederum begünstigt die Entwicklung einer ganz besonderen Flora, wie sie sonst praktisch nur auf den Kanaren, Azoren und Madeira zu finden ist.

 

Hier haben die Menschen Landnutzungssysteme entwickelt, die auf den Korkeichen basieren. Daher auch der Name des Naturparks. „Los Alcornocales“ bedeutet „die Korkeichenhaine“. Mehr als um einen Wald handelt es sich dabei um einen eher losen Baumbestand - 60 bis 80 Bäume pro Hektar - der traditionell von Schafen, Ziegen, Rindern und Schweinen beweidet wird. Das ist wichtig, um das Unterholz im Zaum zu halten und damit der Baumbestand nicht zu dicht wird, denn nur so kann sich die Korkeiche, die mehrmals in ihrem Leben entrindet wird, gesund entwickeln und bleibt von Schädlingsbefall weitgehend verschont. Ein von Menschenhand geschaffenes Ökosystem, das sich in völliger Balance befindet. In ihrem Ursprung eine nachhaltige Forst- und Landwirtschaft. Bis Anfang der 60er Jahre wurde in diesem gesunden Öko-systemen – den Dehesas – auch Weizen, Gerste und Hafer angebaut, was dem Landschaftsbild einen eher savannenähnlichen Charakter verlieh. Dann sind zu Gunsten der grossen Monokulturen weite Landstriche gerodet worden und nur die Deklarierung zum Natur-schutzpark 1989 konnte ein noch grösseres Übel verhindern. Erst in jüngster Zeit hat das Interesse an diesen nachhaltigen Waldbaupraktiken wieder zugenommen. Sind doch die Dehesas das letzte Bollwerk vor der Wüste und werden im Angesicht des Klimawandels wieder mehr wertgeschätzt.

 

Diese Dehesas haben einen ganz besonderen Charme. Aber sie sind nur eines von vielen Highlights dieses grossartigen Naturparks. Galeriewälder aus Lorbeer, Rhododendren, und Erdbeerbäumen in den engen Bachläufen der Bergflanken, bilden eine weitere Attraktion. Und es haben sich sogar einige erhalten – wild und nur schwer zugänglich - in denen man sich in tropische Gefilde versetzt fühlt. Subtropische Urwälder, wie man sie heute in Europa nur noch in der Türkei und hier in südlichsten Spanien finden kann. Die feuchten Schwaden vom Mittelmeer und vom Atlantik begünstigen auch die Entwicklung eines Nebel-waldes mit reichlich Farnen und Bartflechten. Nur wenige Höhenmeter weiter, weichen diese dann allerdings einer herb-lieblichen Heidelandschaft, wie man sie hier am wenigsten erwartet.

 

Aber nicht nur Korkeichenwälder gibt es in dem Park, der ihren Namen trägt. Steineichen, Stecheichen, Galleichen, die Pyrinäeneiche, wilde Oliven, Pappeln, Erlen, Esskastanien, Kiefern wechseln sich auf vielen Höhenstufen ab und bilden ein üppiges Mosaik. Dort wo der Wald auf den kargen Böden nicht gedeihen kann, breitet sich Macchia aus – wildes Gestrüpp; so die Umschreibung. Bei näherer Betrachtung aber, öffnet sich ein ganzes Kaleidoskop an aromatischen Kräutern und typischen Mittelmeersträuchern: Schopflavendel, Minze, Rosmarin, Thymian, Seidelbast, Zistrosen, Mastix, Baumheide, Weisdorn und viele mehr. Ein ideales Jagdgebiet für die vielen Raubvögel, die die Gebirgszüge bewohnen. Steinadler, Kaiseradler, Schlangenadler,  schwarzer Milan, Habicht, Hühnerhabicht, Falke, Waldkauz und Uhu. Dazu gesellen sich Gänsegeier und Schmutzgeier und in den dichten Wäldern tummeln sich Rothirsche, Wildschweine, Rehe, Fuchs und Dachs, Wildkatzen und Ginsterkatzen.

 

So unterschiedlich wie die Pflanzengemeinschaften ist auch die Geologie des Parks. Viel Kalkstein und Karst in den höheren Lagen, vor allem aber Sandstein und Quarz bestimmen das Bild. So gibt es neben den hunderten an Möglichkeiten zum Wandern auch Gelegenheiten zum Klettern und für Höhlenforscher. Von den Höhlen sind manche sogar gut zugänglich und überaschen die Besucher mit Steinzeitmalereien. Und schliesslich sind da noch die Stauseen die zum Wassersport einladen und den Park mit einigen weiteren Populationen an Vögeln bereichern. Reiher, Enten, Gänse und auch schwarze Störche lassen die Herzen der Ornithologen höher schlagen.

 

Viele Agenturen haben sich hier angesiedelt und bieten ein reichhaltiges und attraktives Freizeitangebot, das von Gleitschirmfliegen über Kanufahrten und Pilzwanderungen bis hin zum Schluchteln und Höhlenforschung reicht. Für Geniesser und Abenteurer ist alles dabei. Geniessen kann man im Naturpark Los Alcornocales natürlich auch viele leckere Produkte wie Steineichenhonig, Süssigkeiten aus Mandeln, Öl von wilden Oliven, Wildschweinbraten, Hirschschmortopf, Distelpaté... Dazu mehr unter „Gastronomie“.

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                          Redaktion Heike Mai

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Ginsterkatze
(Geneta Geneta)
geschützt in Andalusien

Es sieht aus wie ein kleiner Leopard auf kurzen Beinen. Dem kleinen Körper – etwa 50 cm lang -  folgt ein weiterer halber Meter oder mehr: ein dichter, buschiger, nicht endenwollender Schwanz mit schwarzen Ringeln, der aussieht als hätte sich jemand in Photoshop beim Drankleben im Format geirrt. Diese tagscheuen Bewohner des Urwaldes der Berge von Cádiz sieht man praktisch nie, und wenn doch, breitet sich Sprachlosigkeit aus. So ein Tier hätte man doch eher in den Savanen oder im Urwald Afrikas erwartet, aber nicht in Europa. Dieser kleine Lebenskünstler, der sich in den Wäldern der Berge von Cádiz so wohlfühlt, ist den meissten Menschen völlig unbekannt. Der Name - mindestens ebenso pekuliär wie das Tier selbst - trägt auch eher nicht zur Aufklärung bei. Was bitte sind Ginsterkatzen? Katzen die im dichten Ginster leben?

Nun, zuerst einmal: es sind keine Katzen. Die Tiere gehören zur Familie der Schleichkatzen und nur eine einzige Art dieser grossen Familie ist in Europa beheimatet. Die Kleinfleck Ginsterkatze oder auch Europäische Ginsterkatze (Genetta Genetta). Ihr Ursprung liegt allerdings noch im Ungewissen. Die Theorie, dass auch sie ursprünglich nicht in Europa beheimatet war und sie mit Schiffen der Römer über die Meeresenge von Gibraltar kam und vielleicht sogar als Haustier gehalten wurde, ist bisher noch nicht bestätigt.

Von Südspanien aus hat sie ihren Lebensraum bis nach Frankreich ausgeweitet und befindet sich aktuell noch immer auf dem Vormarsch. Mittlerweile sind sogar einzelne Sichtungen aus Deutschland berichtet worden. Aber sie findet sich auch im Hohen Atlas, im Hochland von Äthiopien und sogar im Jemen und Oman. So gross wie der Lebensraum, ist auch das Nahrungsspektrum. Vögel, Reptilien, Fische, Kleinsäuger und Insekten stehen auf dem Speisplan und dazu auch Gräser, Beeren und andere Früchte.

Also auf der nächsten Wanderung durch den letzten mediterranen Urwald Europas bitte nicht erschrecken. Leoparden gibt es hier noch nicht; auch keine ganz kleinen.

 
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Steilwand von Arcos
Natur-Monument   -   knapp 11 Ha

Geschützt seit 2012

Gemeinde: Arcos de la Frontera

Die Peña de Arcos ist das einzige Naturdenk-mal der Provinz Cádiz, das nicht an der Küste liegt. Im Grunde genommen handelt es sich um eine Steilklippe. Diese geologische Forma-tion mit einer Länge von mehr als 1,5 Kilometern und einer Höhe von 100 Metern ist durch die Erosion des Flusses Guadalete entstanden der sich durch das Tal in Mäandern an den impo-santen Felswänden entlang schlängelt. Eine Landschaft mit einem ganz besonderen Reiz und einem großen ökologischen Wert, da hier zahlreiche Vogelarten beheimatet sind. Das weisse Städtchen Arcos das malerisch ganz oben auf diesem markanten Sandstein-Felsen trohnt, ist eines der beliebtesten Fotomotive der Provinz.

Was auf den ersten Blick nicht auffällt: In der Wand wohnen Menschen. Hier gibt es tatsächlich noch Höhlenwohnungen, die aktuell bewohnt sind. Macht man einen Spaziergang am Fluss entlang, um dann am Ende mit dem steilen Aufstieg zu beginnen, hat man Zeit die Zeichen menschlichen Daseins in der Wand zu suchen. Mal ist es ein Fenster was man entdeckt, mal ein Balkon. Pustet der trockene Levante Wind, dann ist es leichter. Dann nämlich wedelt auf den Balkonen und in den Fenstern der Wand bunte Wäsche zum Trocknen.

Zum Klettern eignet sich die Wand übrigens nicht, aber gleich zu ihren Füssen kann man Wassersport betreiben. Der Fluss ist hier auf seinem Lauf von den Bergen zum Meer zum dritten Mal aufgestaut.  Der Stausee von Arcos hat sogar einen Strand und ist dabei mit 28 Ha der kleinste der drei Stauseen des Flusses. Die Aussicht vom Felsen auf das fruchtbare Land und auf den Stausee mit den Bergen von Cádiz als Kulisse dahinter ist wunderschön. Wirklich spektakulär wird's wenn man sich einen Überblick vom Heissluft-Ballon aus verschafft. Das frühe Aufstehen dafür lohnt sich, versprochen!

                                                                                                                                          Redaktion Heike Mai

 
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Vía Verde de la Sierra
Grüne Route durch die Berge   -  38 km

„Über vier Brücken musst Du gehen und 30 Tunnel durchqueren...“ Einer davon ist sogar einen ganzen Kilometer lang. Auf einer Tour über die Via Verde – zu Deutsch „grüner Weg“ – kann man so allerhand erleben. Per Bike oder auch per Pedes. Im letzteren Fall muss man die 38 Kilometer aus den Bergen von Cádiz Richtung Küste natürlich nicht auf einen Schwupps machen. Die Via Verde verläuft auf der ehemaligen Bahnstrecke Jerez de la Frontera - Almargen (Málaga) , vorbei an Stauseen, kleinen weissen Dörfern, der grössten Gänsegeier-Kolonie West-Andalusiens und  – ganz zufällig ;-) - an fünf Bahnhöfen. In zwei davon kann man sogar übernachten.

Die Via Verde de la Sierra führt durch sieben Gemeinden. Die ersten fünf liegen in Sevilla: Pruna, Coripe,, Montellano und El Coronil. Olvera und  Puerto Serrano liegen in Cadiz. Die Strecke ist gut in Schuss und ist zu Fuss sehr einfach zu bewältigen. Wirklich Spass macht es allerdings die ganze Strecke in einem Rutsch durchzuradeln. Am besten von oben nach unten. Dazu kann man sich Fahrräder ausleihen, die am Ende der Tour wieder abgeholt werden, oder man macht gleich eine geführte Tour, dann entgeht einem nichts. Hier sei schon mal das erste Geheimnis verraten. Die Bahn-Strecke wurde nie fertiggestellt. Nach 10 Jahren Bauzeit zwischen 1926 und 1936 wurde nur ein kleines Stück, nämlich Jerez - Arcos, in Betrieb genommen. Dafür - in hoffentlich nicht allzu ferner  Zukunft - soll die Via Verde bis nach Jerez ausgebaut werden und so vier weitere Gemeinden in Cádiz inkludieren:  Villamartín, Bornos, Arcos und Jerez. Doch schon jetzt gibt es eine Möglichkeit, auch mit dem Bike, mindestens bis nach Viallamartín vorzudringen. Dort befindetet sich dann auch ein weiterer nie genutzter Bahnhof, der heute als nettes kleines Hotel dient. Ein Bahnhof mit Swimmingpool!!! - damit kann nicht jeder Bahnhof protzen.

                                                                                                                                                        Redaktion Heike Mai 

 
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Ichneumom
(Herpestes ichneumon)

Ichneumon – noch so ein Name den keiner kennt. Obwohl das schon der deutsche Name ist. Das dazugehörige Wesen ist dann auch eher unbekannt. Dabei ist es mit anähernd 100 Zentimetern Länge gar nicht mal so klein.

 

Da das Ichneumon tagaktiv ist und auch nicht gerade scheu, kann man es sogar mal auf einem Golfplatz sichten. Immer wenn von einem Golfer die vorsichtige Frage kommt: „Da war so was grosses dunkles, aber kein Rabe sondern was mit vier Beinen, was kann denn das gewesen sein?“, kann man davon ausgehen, dass es ein Ichneumon war. Im Grunde sieht es aus wie ein kleines Vielfrass.

 

Hier in Europa lebt es nur im südwestlichen Spanien und in Südportugal. Und sicherlich ist es eingeführt worden. Mit allergrösster Wahrscheinlichkeit schon von den Phöniziern. Ein definitiver Nachweis für die Haltung als Haustier auf iberischen Boden wurde durch einen Grabfund aus römischer Zeit erbracht. Auch die alten Ägypter verehrten das Ichneumon als heiliges Tier; was sicher seinem Ruf als Schlangenbekämpfer zu verdanken ist. Es findet sich auf vielen Reliefs der Ptolomäer Zeit. Sein Name stammt allerdings aus dem Altgriechischen und beteutete „Aufspürer“.

 

Ausser Schlangen, fressen diese Tiere aber auch Insekten, Vögel, Eier, Nagetiere und andere Reptilien. Eier werden mit den Hinterbeinen gegen einen Stein geschleudert. Ihr bevorzugter Lebensraum in Afrika ist die Savanne, was dann auch ihre Liebe zu Golfplätzen erklärt. In der Provinz von Cádiz leben sie im Flachland, hauptsächlich entlang der Uferböschung von Wasserläufen und Lagunen.

 

Das Ichneumon gehört zur Familie der Mangusten wie z.B. die Mungos. Auch diese wurden als Schlangenbekämpfer verehrt und extra dafür abgerichtet. Witzigerweise bilden die Ichneumons gerne selbst eine Schlange. Ist eine Mutter mit ihren Kindern im Familienverband unterwegs, laufen sie alle hintereinander die Schnauze dicht am Schwanz des Vordermanns.

 
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Punta del Boquerón
Natur-Monument

Geschützt seit 2003.

Gemeinden: Chiclana, San Fernando

Diese Küstenbarriere besteht aus einer Reihe naturbelassener Dünen, die sich zwischen dem Atlantik, dem Marschland und den Salinen bei Sancti Petri herausgebildet haben. Dominiert wird das Ganze durch eine Flussmündung. Fluss, Meer, Marsch und Land bilden hier ein Gleichge-wicht. In den "Caños", den zum Teil künstlich angelegten Wasserläufen durch Marschen und Salinen, wird heute noch traditionell gefischt.  Hier wimmelt es von Fischen, Weichtieren und Krabben. Der Ort ist ideal für Vögel, die sich während ihres Zuges hier ernähren und ausruhen.

Wie eine grosse Zunge schiebt sich diese Küstenbarriere vor die Salinen und das Marschland von Sancti Petri. Nicht von ungefähr kommt die geologische Bezeichnung: Landzunge. 

 

Es gibt einen Pfad, der von San Fernando aus bis an die äusserste Spitze dieser Landzunge, gleich gegenüber des Castillos und der Insel von Sancti Petri, führt. So kann man dieses Naturdenkmal bequem erkunden. Oder aber man nimmt das Kajak und hat dann die Qual der Wahl. Steuert man die Insel an und erforscht das Castillo, begibt man sich in das Labyrinth der Caños zwischen den Salinen oder setzt man über zur Landzunge um dort zwischen den Dünen zu chillen? Natürlich auch mit Blick auf das Castillo von Sancti Petri. Dieser Bau, der auf aufeinanderfolgenden phönizischen und römischen Tempeln errichtet wurde, die in der Antike als Tempel des Herkules bekannt waren, inspiriert zum Träumen. Spiegelt er doch fast die gesamte Geschichte Cádiz‘ und einen wichtigen Teil der Antike wider. 

 

Es ist aber auch der ideale Platz für Wassersport und für die ganze Familie. Natürlich mit grossem Fun-Factor. Die Banane fehlt nicht. Aber auch Segelkurse können  hier in relativ sicherem Gewässer belegt werden. Und Wasserski und Stand-Up-Paddle und Jet-Ski und Bootsausflüge mit dem Katamaran und vieles mehr.

 

Danach lockt die Strandbar mit einem erfrischenden Tinto de Verano (Rotwein mit Limo eisgekühlt). Dass die Sonnenuntergänge hier besonders schön sind, kann man sicher schon erahnen.

Redaktion Heike Mai

 
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Grazalema  -
alpines Karstgebirge
Naturpark  und Biosphären-Reservat  -  über 53.000 Ha

gegründet:                        NP 1985,  Reservat 1977

Gemeinden in Cádiz:

Algodonales, Benaocaz, El Bosque, El Gastor, Grazalema, Prado del Rey, Ubrique, Villaluenga del Rosario, Zahara de la Sierra

Die Sierra de Grazalema ist die grünste Region Andalusiens, und das Gebiet rund um ihre Gipfel ist der niederschlagreichste Landstrich von Spanien. So sind hier auch mehr als ein Viertel aller in Spanien vorkommenden Pflanzen zu finden. Aushängeschild ist der Igeltannen-wald - ein Relikt aus dem Tertiär - und eine der grössten Gänsegeierkolonien Europas. Stein-böcke, Fischotter, Forellen und Eisvögel bilden eine weitere Attraktion.

Traumhaft schöne Aus- und Einblicke hat dieses zerklüftete Gebirge zu bieten, denn in dieser Karstregion befindet sich, ausser mehrer Übertausender, auch der größte Höhlenkomplex Andalusiens. Die höchsten Gipfel sind das Reich des iberischen Steinbocks und bilden die Krone der Provinz. Aus 1654 Metern ist der Blick frei bis zum 80 Kilometer entfernten Atlantik.

 

Einer weiterer landschaftlicher Höhepunkt ist die Garganta Verde – die grüne Klamm. Eine bis zu 400 m tief eingeschnittene Schlucht, an deren Grund sich eine Grotte mit Tropfsteinen befindet. Beliebtes Ausflugsziel zum Schluchteln. Um dort reinzukommen braucht man allerdings eine Sondergenehmigung, denn Pflanzen und Tiere sollen vor allzugrossem Ansturm geschützt werden. Auch für die Wanderung durch den Igeltannenwald braucht man eine Genehmigung.

Mehrere Flüsse – gesäumt von Oleander - entspringen hier oben und versorgen die zahlreichen Stauseen der Provinz mit reichlich Wasser. Im Río Majaceite tummeln sich Forellen – es ist der südlichste Fluss mit Forellen in ganz Europa. Nur hier in den Bergen von Grazalema ist die Forelle in Andalusien einheimisch. Allerdings ist die Lachsforelle hier eine bedrohte Art, und so hat man mit einem Zuchtprogramm nachgeholfen, den natürlichen Bestand nachhaltig zu sichern.

Alles in allem ist die Sierra de Grazalema ein kleines Paradies, das seit frühsten Zeiten besiedelt ist. Eine alte Römerstrasse belegt die Bedeutung dieser Region für Handel und Versorgung in den letzten Jahrtausenden. Noch heute ist die Sierra von der Beweidung durch Schafe und Ziegen und von handwerklich-kleinindustrieller Herstellung von Käse, Leder und Lederwaren, Stühlen und Wolldecken gekennzeichnet, wobei die Wirtschaft durch die industrielle Revolution stark gelitten hat und sich erst im Zuge des Tourismus wieder erholen konnte.

 

Auch wenn im Winter auf den Spitzen Schnee liegt, kann man trotzallem häufig bei äusserst milden Temperaturen Wandern gehen. Während der heissen trockenen Sommer sind Temperaturen, die bis auf 40 Grad steigen können nicht ungewöhnlich, aber selbst dann finden sich in den Schluchten und entlang der Flüsschen schattige Wanderwege und ein Bad im eiskalten Wasser der Gebirgsbäche sorgt für Erfrischung. Für den Schatten sorgen grössere Bestände an Steineichenwäldern, die an den südöstlichen Flanken mit wilden Oliven und Johannisbrotbäumen durchsetzt sind und an den kühleren Standorten mit Portugiesischen Eichen. Ausserdem gibt es vor allem um den Ort Villaluenga reichlich Korkeichen. Ein besonderes Highlight ist der Igeltannenwald, den man von Grazalema aus Richtung Benamahoma durchqueren kann. Allerdings nur mit vorher beantragter Genehmigung, denn dieses Biosphärenreservat steht unter besonderem Schutz.

Im Frühling und Anfang Sommer ist sicherlich die schönste Zeit, um die höheren Pässe des Karsts zu überqueren. Zwischen den Kalkfelsen findet man mit etwas Glück den seltenen Grazalema-Mohn, blauen Stachelginster (die Spanier nennen ihn Nonnenkissen) und viele wilde Pfingstrosen. Auch die mit Orchideen übersäten Magerwiesen sind ein Anblick, den man nicht so schnell vergessen wird.

Redaktion Heike Mai

 
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Grüner Korridor
Dos Bahías 

Gemeinden: Puerto Real, Medina Sidonia, Benalup,  Los Barrios

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Der grüne Korridor Dos Bahías ist ein 93 km langer Weg für Wanderer und Radfahrer, die den Naturpark "Bahía de Cádiz "am Atlantik mit dem 113 Ha Schutzreservat „Marismas del Río Palmo-nes“ am Mittelmeer verbindet. Darüber hinaus ist diese Route ein transnationales Projekt und Teil des Europäischen Grünen Netzwerks im west-lichen Mittelmeerraum, der Südportugal mit Norditalien verbindet und die Mittelmeer-regionen Spaniens und Frankreichs durchquert. Eine grüne Ader durch Land und Landwirtschaft die das natürliche und kulturelle Erbe erhält.

Die 93 km lassen sich in vier Streckenabschnitte aufteilen, die alle ihren ganz eigenen Reiz haben. So hat man die Möglichkeit, jede der Strecken zu Fuss jeweils an einem Tag zurückzulegen.

Der erste Abschnitt startet in Puerto Real und führt über 28 km gleich durch ein ganzes Mosaik von Land-schaften, die man so vielfältig und überraschend gar nicht erwarten würde. Marschland, entlang der Salinen, Pinienwälder und Hügel mit Gipsböden. Medina Sidonia, am Endpunkt der ersten Etappe, stellt dann gleich auch noch ein archäologisches Highlight dar. Von der leckeren traditionellen Küche ganz zu schweigen. Wer hätte gedacht, dass man hier im äussersten Süden Hirschgulasch oder Wildschwein-braten auf der Speisekarte findet?!

Auf den nächsten 28 km geht es weiter mit archäologischen Schätzen. Eine westgotische Kapelle, der Sternenturm - Torre Estrella und zwei Brücken römischen Ursprungs sorgen für Abwechslung auf dem Weg und dann bei Benalup sogar ein Erbe aus der Steinzeit. Die Felsmalereien des Tajo de las Figuras. Für das leibliche Wohl stehen gleich mehrere Ventas (Landgasthöfe ) entlang des Weges bereit. Am Celemín-Stausee, der sich am Rande des Naturparks Alcornocales befindet, endet diese Etappe.

Jetzt werden die Etappen kürzer, das Gelände mit Steigungen allerdings anspruchsvoller. Viel Betrieb ist hier nicht.  Der 20 km lange Streckenabschnitt führt mitten ins Herz des riesigen Naturparks Los Alcor-nocales. Der Korkeichenwald, der dem Naturpark seinen Namen gibt, dominiert in diesen Bergen. Hat man diesen Punkt erreicht, kommt man sich vor, als hätte man einen halben Kontinent durchquert. So unter-schiedlich sind die Landschaften. Die Tour endet an der Montera del Torero, einer wirklich abenteuerlichen  Kalksteinformation. 

 

Die letzten 17 km führen an die Mittelmeerküste. Afrika und den Felsen von Gibraltar im Blick, steigt man zur Bucht von Algeciras hinunter. Bemerkenswert ist die große Anzahl von Höhlen mit Höhlenmalereien. Doch dann lichten sich die Wälder und man gelangt entlang des Flusses Palmones in die Zivilisation zurück. Trotz der starken wirtschaftlichen Aktivität weist diese Umgebung bedeutende Landschaftswerte auf. Die Marismas del Río Palmones an der Flussmündung stehen unter Schutz. Wer jetzt noch Lust zum Weiterwandern hat, sucht sich den Weg an der Küste Richtung Tarifa oder sucht den Anschluss an den GR-7 der Teil des europäischen Fernwanderwegs E4 ist und ganze 206 km in der Provinz von Cádiz verläuft.

                                                                                                                                     Redaktion Heike Mai